Neues vom Waldkindergarten „Guckinsdorf“

Anfang März öffnete der Waldkindergarten „Guckinsdorf“ seine Türen. Nach einem Monat Betrieb haben wir uns den Kindergartenalltag angeschaut.

Drei Erzieherinnen sitzen mit ein paar Kindern vor dem Naturwagen

Der Naturwagen dient als Rückzugsort für die derzeit elf angemeldeten Kinder. In der Regel sind die Drei- bis Sechsjährigen mit den Erzieherinnen Stefanie Birk, Sonja Kimmig und Julia Resch jedoch draußen unterwegs. Vor dem Wagen ist eine Fläche eingeschottert. Hier findet der Morgenkreis und das gemeinsame Essen statt. Ein paar Meter entfernt befindet sich der dazugehörige Wald. Er wird abgegrenzt durch Wege. Zäune gibt es nicht und sind auch nicht notwendig. „Die Grenzen werden frühzeitig mit den Kindern erarbeitet,“ erklärt Sonja Kimmig, „es werden keine Zäune zur Abgrenzung des Bereichs benötigt“. Drei der Kinder zeigen stolz eine Hütte und das Waldsofa, welches sie gemeinsam mit der Gruppe gebaut haben. „Die Kinder sind sehr kreativ und entdecken viel“, erzählt Sonja Kimmig. Kollegin Stefanie Birk fügt hinzu: „Jeder findet, was er braucht. Wer Ruhe braucht, zieht sich zurück. Wer Action benötigt, holt sich einen Ast und baut etwas“.

Bei Regen und Sturm können sich die Kinder in den Naturwagen zurückziehen. In diesem befindet sich auch die Toilette und der Wickeltisch. Der Wagen wurde nach den Wünschen und Bedürfnissen der Stadt Oppenau in Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen und der katholischen Kirchengemeinde gebaut. So fällt die Garderobe etwas kleiner aus als in den herkömmlichen Naturwägen, dafür entstand jedoch mehr Platz zum Spielen. Im Wagen, der Platz für insgesamt 20 Kinder bietet, befindet sich außerdem eine Küche und eine Gasheizung. „Wenn sich ein starkes Unwetter ankündigt, informieren wir die Eltern über die KiGa-App. Dann findet der Kindergartentag im Bürgerhaus Löcherberg statt. Bisher ist das jedoch noch nicht vorgekommen“, teilt Kindergartenleitung Esther Bruder mit. „Die Kinder wollen draußen spielen, egal bei welchem Wetter“.

Erzieherin Stefanie Birk hat eine Ausbildung zur Naturpädagogin, Erlebnispädagogin und Wildkräuter- und Heilpflanzenpädagogin. Sonja Kimmig absolviert zurzeit eine Weiterbildung zur Facherzieherin für Natur- und Waldpädagogik an der Naturschule Freiburg. Julia Resch befindet sich im Anerkennungsjahr als Erzieherin. Die Erzieherinnen sind überzeugt vom Konzept des Waldkindergartens. „Die Kinder nehmen in der Natur viele Sinneseindrücke wahr und haben mehr Bewegung. Außerdem sind sie keiner so starken Reizüberflutung wie in einem herkömmlichen Kindergarten ausgesetzt“, erklärt Stefanie Birk. Kollegin Sonja Kimmig erzählt, dass sich alle Kinder sehr schnell eingewöhnt haben: „Wir sind froh, dass alles so toll angefangen hat. Die Kinder haben sich gefreut und voll darauf eingelassen. Sie sind zu einer Gruppe mit einer tollen Dynamik zusammengewachsen!“ Auch die Eltern zeigen sich sehr engagiert. „Die Volksbank hat uns ein Hochbeet gespendet und es sollte am nächsten Tag aufgebaut werden. Ein Vater hat kurzerhand seinen Akkuschrauber mitgebracht und das Hochbeet direkt aufgebaut. Andere Eltern spendeten Blumensamen für das Beet und eine tolle, selbstgebaute Schuhreinigungskonstruktion wurde uns überreicht.“

Auf die Frage, ob ein Waldkindergarten für jedes Kind in Frage kommt, antwortete Frau Birk, dass Kinder grundsätzlich für alles offen seien. „Manche Familien gehen mit ihren Kindern nicht in die Natur. Dann müssen die Kinder den Umgang mit der Natur zunächst lernen. Zurzeit haben wir hauptsächlich Kinder, die auch zu Hause viel draußen spielen“. Da der Waldkindergarten „Guckinsdorf“ sich außerhalb von Oppenau befindet, ist ein Auto jedoch von Vorteil.

Die Eltern können ihre Kinder zwischen 7.30 Uhr und 9.30 Uhr in den Kindergarten bringen. Abholzeiten sind von 11.45 Uhr bis 12.30 Uhr und von 13.30 Uhr bis 14.00 Uhr.